Das Buch der Erfahrung
mit all seinen Schriftzügen, Bindungen, Worten, Sprachen, Tränenspuren und
Schweißflecken
liegt unter feuchter Erde
begraben,
welke Blätter,
deren Tinte
verlaufen ist.
Die Mutter sagt:
„Mein Liebes,
früh gepflückte Früchte schmecken nicht.
Die Zeit lässt die Granatäpfel reifen bis sie
voll vom süßen Saft
wie pralle Brüste an den Bäumen hängen.
Zu früh wurde ich vom Ast getrennt
und sieh mich an
allein geblieben bin ich verwelkt.“
Doch sobald das Mädchen die Uhr erblickt, meint es
dass eine andere Zeit schlägt.
Es steckt sich Jasminblüten ins Haar und
tritt aus dem Haus.
Der Vater warnt:
„Mein Sohn,
auch mich lockten einst die Knospen der Kirschbäume aus dem Haus.
Doch glaube mir, wenn ich dir sage,
dass das noch nicht der Frühling ist.
Warte noch eine Weile und
senke deinen Kopf über deine Schulhefte.
Schau, ich selber bin den Knospen zu früh gefolgt und
früh musste ich die Schule beenden.“
Doch sobald der Wind den Rock des Nachbarmädchens umweht
und der Duft ihres Schoßes
das Blut an seinen Schläfen pochen lässt,
vergisst der Sohn alle Warnrufe, alle Lehren, alle Schulbücher
und folgt ihren Jasminspuren.
Beide glauben:
Die Fehler der Alten können mir nicht geschehen.
Immer wieder
reiben wir uns an Steinen wund
und erinnern uns dann
an eine Stimme,
deren Worte längst vergessen sind.